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Die Geschichte des Seminars

Das Seminar für Alte Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg - ein Rückblick

Nach jahrelangem Bemühen gelang es der Philosophischen Fakultät unserer Universität im Sommer 1889, das Großherzoglich Badische Ministerium der Justiz, des Kultus und des Unterrichts davon zu überzeugen, dem bereits 1870 gegründeten Historischen Seminar neben den Abteilungen für die Geschichte des Mittelalters und der Neuzeit eine dritte Abteilung für die Geschichte des Altertums hinzuzufügen. Bereits zuvor, im Wintersemester 1888/89 hatte Ernst Fabricius (1857-1942) ein Extraordinariat für Alte Geschichte übernommen, das 1894 zu einem Ordinariat aufgewertet wurde. Fabricius hatte sich zu dieser Zeit bereits einen Namen als Kenner der griechischen und lateinischen Epigraphik gemacht, so daß er (offenbar nicht ohne Zutun von Theodor Mommsen) seit 1897 immer enger in die Reichs-Limeskommission eingebunden wurde, bis er 1902 die alleinige Federführung übernahm, die er nach erfolgreichem Abschluß der Strecken- und Kastellbeschreibungen 1939 niederlegen konnte

Als Fabricius nach Beendigung des Wintersemesters 1923/24 emeritiert wurde, gestaltete sich die Suche nach einem Nachfolger schwierig. Erst im Sommersemester 1927 übernahm Walter Kolbe (1876-1943) den Lehrstuhl, den sein Vorgänger bis zum Sommersemester 1926 noch kommissarisch geführt hatte. Walter Kolbe kam als ausgewiesener Spezialist der griechischen Epigraphik nach Freiburg, wandte sich hier aber vor allem seinen Akropolisforschungen zu, die er bis unmittelbar vor seinem Tod mit großer Beharrlichkeit fortführte. Nach Kolbes Tod übernahm zunächst Hans Schäfer (1906-1961) zusätzlich zu seinen Heidelberger Verpflichtungen auch die Vertretung in Freiburg (im Sommersemester 1943), und im Sommersemester 1944 konnte Joseph Vogt (1895-1986) Kolbes Nachfolge antreten (im ersten Semester noch als Vertreter). Nachdem Vogt zum Sommersemester 1946 auf seinen alten Lehrstuhl in Tübingen zurückgekehrt war, vertrat der Tübinger Karl Stroheker (1914-1988) (Sommersemester 1947-Sommersemester 1948) den Lehrstuhl, bis sich Fakultät und Ministerium auf den Kolbe-Schüler Herbert Nesselhauf (1909-1995) als neuen Ordinarius einigen konnten. Eine besondere Bedeutung kommt in dieser Zeit dem gerade in Basel promovierten Gerold Walser (geb. 1917) zu, der seit Wintersemester 1946/47 in Freiburg lehrte. Walser sicherte nicht nur die Kontinuität der Lehre während der langen Vakanz, er sorgte seit seinem ersten Besuch im Nachkriegs-Freiburg im August 1945 durch mehrere humanitäre Aktionen dafür, daß die Studierenden überhaupt erst die materiellen Grundlagen für ihr Studium erhielten. Nach seiner Habilitation bei Nesselhauf folgte Walser 1953 einem Ruf nach Bern, kehrte jedoch nach seiner Emeritierung nach Freiburg zurück und erfüllt an unserem Seminar seit 1991 erneut einen Lehrauftrag. 1997 wurde ihm für seine Verdienste um unsere Universität und in Anerkennung seiner wissenschaftlichen Leistungen die Ehrendoktorwürde verliehen.

Herbert Nesselhauf, sein Nachfolger Walter Schmitthenner (1916-1997, Lehrstuhlinhaber 1967-1984) und Hermann Strasburger (1909-1985, Inhaber des zweiten, 1962 neu eingerichteten Lehrstuhls bis 1978) sahen sich in unterschiedlicher Weise Repressalien des NS-Regimes ausgesetzt. Sie gaben unserem Seminar nach dem 2. Weltkrieg eine eigene Prägung, die ihre Schülerinnen und ihr Schüler Marie-Luise Deißmann-Merten (geb. 1935), Renate Zoepffel (geb. 1934) und Jochen Martin (geb. 1936) bis heute fortleben lassen. Nesselhaufs Forschungen galten zunächst dem Delisch-Attischen Seebund und wurden dann vor allem von der Mitarbeit am Corpus Inscriptionum Latinarum geprägt. Sein Forschungsschwerpunkt in der Verwaltungsgeschichte des Römischen Reichs war mit dafür ausschlaggebend, daß nach längeren Bemühungen 1966 eine eigenständige Abteilung für Provinzialrömische Archäologie am Seminar eingerichtet werden konnte, deren erster Leiter Rudolf Nierhaus (1911-1996) wurde (s. eigene Darstellung). Mit Strasburgers Namen sind vor allem einschlägige Arbeiten zur griechischen Historiographie und zur späten römischen Republik verbunden, während Schmitthenner besonders als Fachmann für den Übergang von der Republik zum Prinzipat bekannt war.

Gegenwärtig leiten Aloys Winterling (seit 2002, Lehrstuhl für Alte Geschichte und Historische Anthropologie) und Hans-Joachim Gehrke (geb. 1945, seit 1987) unser Seminar.

Literatur: W. Schmitthenner, Freiburger Universitätsblätter 30, Heft 111, 1991, 83-95 (durch eigene Recherchen im Univ.archiv ergänzt); G. Walser, Historische Mitteilungen 4/2, 1991, 279-306.
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