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Münzen im Fokus: Zeugen der Vergangenheit

Numismatik aktuell - Regelmäßig präsentieren wir Ihnen in einem virtuellen Schaukasten ein Spitzenstück unserer Münzsammlung

Zeugen der Vergangenheit III: Verräterische Abnutzungsspuren

RRC Nr. 480, Durchmesser: 19 mm, Gewicht: 3,16 g, Stempelstellung: 6 h

 

 

Der obige Zeuge ist in mehr als einer Hinsicht außergewöhnlich. Es handelt sich um einen Denar des Gaius Iulius Caesar und des Münzmeisters Gaius Cossutius Maridianus. Die Münze stammt aus dem Jahr 44 v. Chr. und stellt im Kontext der römischen Republik den ersten Fall einer rein textlichen – im Fachjargon „epigraphischen“ – Gestaltung der Rückseite dar. Zudem ist sie eine subaerate Münze.

Was jedoch ist eine subaerate Münze? Eine subaerate oder gefütterte Münze hat an der Oberfläche eine dünne Schicht eines Edelmetalls (hier Silber), die einen unedlen Kern (hier aus Bronze) verdeckt. Durch die übliche Abnutzung bekam die Silberschicht jedoch Löcher und der Bronzekern wurde sichtbar; der Wert eines solchen Subaeratus war um ein Vielfaches geringer als der einer regulären Münze. Subaerate Münzen konnten im Zuge einer staatlichen Münzverschlechterung oder als Falschgeld produziert werden, sodass in der Numismatik generell von nachgeahmten Münzen gesprochen wird. Da für die späte römische Republik offizielle Münzverschlechterungen jedoch auszuschließen sind, kann in diesem Fall von Falschgeld ausgegangen werden. Wann und in welchem Kontext die Fälschung entstand, ist leider unklar. Die Vorderseite zeigt Caesars verschleierten Kopf (velatio capitis). Auch Krummstab (lituus) und Priesterhut (apex) sind weitere Hinweise auf die Darstellung Caesars in seiner Eigenschaft als oberster Priester (pontifex maximus). Der Revers gibt Maridianus‘ vollen Namen an. Über ihn ist durch weitere Münzen nur seine Eigenschaft als einer von vier Münzmeistern des Jahres 44 bekannt. Die restliche Legende beschreibt dessen Aufgabe: A(ere) A(rgento) A(uro) F(lando) F(eriundo), also das Schmelzen und Prägen von Bronze, Silber und Gold.

Die genaue Datierung der Münze ist unklar. Allerdings könnte die Bezeichnung Caesars als PARENS PATRIAE, also als Vater des Vaterlandes, als Hinweis auf eine posthume Prägung des Denartyps aufgefasst werden. Nach Caesars Ermordung am 15.03.44 wurde dieser Titel vermehrt angesprochen, etwa durch eine Säule mit entsprechender Inschrift am Ort der Verbrennung Caesars (Suet. Iul. 85). Andererseits wurden kurz nach Caesars Tod zwei Typen von Denaren geprägt, die in eine andere Richtung deuten. RRC 480/21 zeigt auf dem Avers einen mit CLEMENTIAE CAESARIS bezeichneten Tempel und ist damit eines der wenigen Beispiele für republikanische Münzen ohne Porträt auf dem Avers. RRC 480/22 zeigt dagegen den Consul Antonius als Trauernden. Bis dahin war in der Republik nur Caesar die Abbildung auf einer Münze schon zu Lebzeiten gestattet worden. Die beiden Typen weisen also darauf hin, dass nach dem Tod des Iuliers ein drastischer Wandel in der Gestaltung der Münzen erfolgt sein dürfte. Während die genaue Datierung insgesamt schwierig bleibt, gehört die Münze aller Wahrscheinlichkeit nach in die Zeit vor den Iden des März.

Niklas Krull

 

Eine ausführliche Beschreibung sowie Angaben zur hier verwendeten Literatur finden Sie unter der Online-Publikation der Münze: https://ikmk.uni-freiburg.de/object?id=ID3486

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